Gesunde Ernährung
Ernährunspyramide
Das Modell der Ernährungspyramide gibt es seit dreißig Jahren. Da sich innerhalb einer so langen Zeitspanne natürlich auch die Ansichten über gesunde Ernährung öfter geändert haben und es viele kontroverse Theorien dazu gibt, existieren auch verschiedene Ausführungen der richtigen Ernährungspyramide.
Im Grunde handelt es sich bei der Ernährungspyramide lediglich um eine grafische Darstellung, in der Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft anschaulich präsentiert werden sollen. Mit Hilfe dieses Schaubilds sollen Verbraucher eine tägliche Checkliste zur Hand haben, um sich einen ausgewogenen und gesunden Speiseplan erstellen zu können.
Die Ernährungspyramide teilt Nahrungsmittel in verschiedene Gruppen ein, je nachdem, wie häufig sie pro Tag verzehrt werden sollen und wie wichtig sie je nach Theorie für den Körper sind. Daher sind die einzelnen Segmente auch unterschiedlich groß, je größer ein Feld, umso höher sollte der Anteil der Lebensmittel im täglichen Speiseplan sein. Die Lebensmittel an der Basis der Ernährungspyramide sollten demzufolge am häufigsten, die an der Spitze am wenigsten konsumiert werden.
Die bekannteste Ernährungspyramide stellt besonders kohlenhydratreiche Grundnahrungsmittel wie Brot, Reis und Nudeln an die Basis. Es folgen Gemüse und Obst, an dritter Stelle Eiweißlieferanten wie Milch und Milchprodukte, dann Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, Nüsse und Bohnen und zuoberst Fette, Öle und Zucker.
Diese Aufteilung wurde bereits mehrmals korrigiert und wird im Rahmen der aktuellen Diskussion um fettarme Ernährung (Low Fat) und kohlehydratarme Ernährung (Low Carb) auch in ihrer Reihenfolge grundsätzlich in Frage gestellt. Stein des Anstoßes war die Erkenntnis vor allem aus Langzeitstudien, dass die Menschen immer dicker werden, obwohl im Schnitt immer weniger Fett gegessen wird und Null-Prozent-Fett- und andere Light-Produkte Hochkonjunktur haben. Wer sich vorwiegend von den Basisprodukten der klassischen Ernährungspyramide ernährt, nimmt tendenziell eher zu als ab.
Besonders paradox erscheint hier auch die Tatsache, dass diese kohlehydratgetriebene Ernährungspyramide einst vom amerikanischen Landwirtschaftministerium als Instrument entwickelt wurde, den Absatz nationaler Agrarprodukte zu steigern. Eine besondere wissenschaftliche Untermauerung dieser These war nie gegeben.
In den letzten Jahren wurden zahlreiche neue Modelle von Ernährungspyramiden verschiedenster Fraktionen vorgestellt, die vor allem die so gesunden ungesättigten Pflanzenöle wie Rapsöl oder Olivenöl an die Basis zu den Getreideprodukten stellen. Hingegen gehören demnach geschälter Reis, Weißbrot, Kartoffeln, Nudeln, Butter und rohes Fleisch vielmehr an die Spitze. Sie sollten eher in geringen Mengen verzehrt werden. Andere fordern, die untersten beiden Stufen der Ernährungspyramide umzutauschen. Gemüse und Obst wären dann die Basis der Nahrungszufuhr, Vollkornprodukte erst an zweiter Stelle.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat sich vor allem des Problems angenommen, dass die Ernährungspyramiden zweidimensional aufgebaut sind. Sie zeigen nämlich nicht die empfohlene Menge von Lebensmitteln. So gibt es äußerst gesunde und vitaminreiche Nahrungsmittel wie Rapsöl, die gleichzeitig sehr viele Kalorien enthalten, und deswegen in Maßen genossen werden sollten. Durch die neue dreidimensionale Ernährungspyramide der DGE können nun auch Qualität und empfohlene Tagesmenge von Lebensmitteln angegeben werden.
Das Problem der klassischen Ernährungspyramide bleibt jedoch auch bei den neueren Modellen bestehen. Denn auch eine vollständige Neuorientierung lässt sich bislang nicht ausreichend durch medizinische Erkenntnisse, vor allem aber durch gesicherte Langzeitstudien, stützen.
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