Gesunde Ernährung

Fasten

Wer fastet, verzichtet über einen selbst bestimmten Zeitraum vollständig oder teilweise auf feste Nahrung. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Schon im Alten Testament ist die Fastenkultur des Judentums beschrieben, und es wird aus Trauer gefastet. Auch die christliche Fastenzeit gehört zum religiösen Nahrungsverzicht, sie beginnt am Aschermittwoch und dauert vierzig Tage.

In der heutigen, vor allem aber in der westlichen Welt, wird Fasten oft als Gegenbewegung zur übergewichtigen, übersättigten Gesellschaft gesehen. Indem sie völlig oder teilweise auf Nahrung verzichten, suchen viele beim Fasten die Auseinandersetzung mit sich selbst, möchten sich neu orientieren und sich ohne Ablenkungen aufs Wesentliche besinnen. Das in diesem Zusammenhang oft zitierte Hochgefühl, diese Euphorie, die durchs Fasten ausgelöst wird, hat laut der Meinung vieler Mediziner einen anderen Ursprung. Der Körper erzeugt nämlich Endorphine im irrtümlichen Glauben, bald verhungern zu müssen, und macht somit dem Patienten sein Leiden so erträglich wie möglich.

Fasten wird aber auch mit dem Ziel der Gewichtsreduktion durchgeführt. Dabei ist es für solche Zwecke allein nur bedingt geeignet. Wird das Fasten im Rahmen einer ganzheitlichen Umstellung der Ernährungs- und Lebensweise verstanden, kann das Gewicht jedoch langfristig reduziert werden. Nicht zuletzt hat Fasten auch eine vorbeugende Wirkung und kann zur Therapie von Zivilisationskrankheiten eingesetzt werden.

Fasten, das der Gesundheit dient, wird als therapeutisches Fasten oder Heilfasten bezeichnet. Im Rahmen einer in der Regel ärztlich begleiteten Therapie sollen der Körper entgiftet und Körper und Seele runderneuert werden. Dazu gibt es zahlreiche Kur- und Fastenformen, von denen die meisten vergleichbar aufgebaut sind.

Wichtig ist zu Beginn, dass erst einmal einige Vorbereitungstage eingeplant werden. Während dessen wird die Nahrung bereits stark reduziert. Wenig Fett und Ballaststoffe, kein Zucker und auch keine Genussmittel. Zur Darmentleerung eignen sich je nach Präferenz Einläufe oder Abführmittel.

Da Fasten eine große Belastung für den Körper darstellt, sollte man vor Beginn des Fastens unbedingt einen Check-up beim Arzt durchführen lassen. Den Fasten senkt den Blutdruck und kann bestimmte Vorerkrankungen wie Krebs oder Typ1 Diabetes verstärken, bzw. sogar bei vorher gesunden Menschen Krankheiten auslösen. Zu den Risikogruppen, die möglichst nicht fasten sollten, zählen zum Beispiel auch schwangere oder stillende Frauen, Bluter, Kinder oder psychisch Kranke.

Bekannte Formen des Heilfastens sind die Buchinger oder die F.X. Mayr-Methode, bei denen der Stoffwechsel durch viel Gemüsebrühe und Säfte entlastet wird. Auch Milch-Semmel-Kuren, Molke-Kuren, Teefasten oder die Schrothkur, bei der sich Trink- und Trockentage abwechseln, sind gut bekannt. Eine abgemilderte Form stellen so genannte Entschlackungstage dar, bei denen ein bis drei Tage lang zum Beispiel nur Obst oder Reis gegessen wird.

Nach längstens etwa drei Wochen sollte das Fasten beendet werden. Das so genannte Fastenbrechen darf jedoch in keinem Fall plötzlich geschehen. Der Körper muss ganz behutsam und Schritt für Schritt wieder an feste Nahrung und eine normale Kalorienzufuhr gewöhnt werden.

Auch wenn dem Fasten positive Effekte wie die Besserung von entzündlichem Rheuma oder eine Stärkung des Immunsystems zugesprochen werden, sind diese Auswirkungen nicht ausreichend medizinisch bewiesen. Auch der Begriff des Entschlackens ist eine Erfindung und wird von Frauenzeitschriften besonders gerne aufgegriffen. Ein gesunder Körper scheidet alles über den Darm oder die Nieren aus, was er für den Stoffwechsel nicht gebrauchen kann, er lagert also keine Schlacken ab. Eine Gefahr ist auch der Muskelabbau im Körper, wenn während des Fastens nicht genügend Eiweiß zugeführt wird. Fasten sollte man also niemals längere Zeit ohne ärztliche Aufsicht, damit man der Gesundheit nicht eher schadet als ihr nutzt.