Gesunde Ernährung

Rohkost

Rohkost bezeichnet zunächst einmal alle Lebensmittel, die nicht hitzebehandelt sind. Dies können zwar auch Fisch, Geflügel oder Fleisch sein. In der Regel spricht man jedoch von rohem Gemüse oder Obst, wenn man den Begriff Rohkost verwendet.

Zahlreiche Diäten und kulturkritische Lebensphilosophien haben die Orientierung an einer Ernährung durch Rohkost zu ihrem Kernelement gemacht. So zum Beispiel die so genannte Urkost nach Franz Konz, die so genannte Sonnenkost nach Helmut Wandmaker oder die Instinctotherapie nach Guy-Claude Burger. Während diese verschiedenen Konzepte unterschiedliche Akzente setzen, heben sie doch alle ähnliche positive Aspekte und Effekte der Ernährung durch Rohkost hervor.

Als Hauptvorteil der Rohkost gegenüber gekochten Nahrungsmitteln wird dabei gesehen, dass ungekochte Nahrung einen größeren Anteil ihrer Enzyme, Spurenelemente und vor allem Vitamine beibehält. Auch soll sich Rohkost leichter verdauen lassen. Das heißt die Verdauungsleukozytose, also die Zunahme der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) in Folge der Nahrungsaufnahme, wird verringert. Die Verdauungsleukozytose wird jedoch als Belastung des Immunsystems gesehen. Somit soll eine Ernährung, die auf Rohkost basiert, das Immunsystem von dieser unnötigen Beanspruchung entlasten können, sozusagen frei machen für andere Abwehraufgaben und somit letztlich gesundheitsfördernd wirken.

Bei der Hervorhebung der gesundheitsfördernden Eigenschaften von Rohkost wird gerne auf prominente Rohköstler verwiesen, die auffallende und bemerkenswerte hohe Lebensalter erreichten. Zum Beispiel Dr. Norman W. Walker (116 Jahre), Dr. John Tilden (90 Jahre) oder Dr. Walter Sommer (99 Jahre).

Dennoch ist die heutige Ernährungswissenschaft keineswegs von Rohkost als Dauerernährung überzeugt, da der körperliche Bedarf durch Rohkost bei einzelnen Nährstoffen wie Eisen und Vitamin D nicht ausreichend gedeckt werden kann. Eine solche einseitige Nahrungsmittelzunahme ist besonders bei Kindern, Stillenden oder Schwangeren riskant.

Diese einschränkenden Hinweise sollen jedoch keinesfalls die ebenso angenehmen wie nützlichen Eigenschaften von Rohkosternährung unterschlagen. Man muss seine Ernährung ja nicht gleich ganz auf rohe Lebensmittel umstellen. Die Vorzüge von Rohkost lassen sich ohnehin am besten im Rahmen einer ausgewogenen alltäglichen Ernährung genießen.

Gerade wer dazu neigt, zu süß, zu salzig und zu fett zu essen, kann seine Ernährung durch einen erhöhten Rohkostanteil optimieren. Um bei einer solchen Umstellung das Verdauungssystem nicht zu überlasten, sollte diese Erhöhung jedoch möglichst schrittweise erfolgen. Im Prinzip liefert die deutsche Esskultur schon den wesentlichen Rohkostratgeber. Denn Rohkost ist am verträglichsten, wenn sie allein, als kleine Mahlzeit zwischendurch oder vor einer warmen Mahlzeit verzehrt wird. Der Apfel unterwegs, der Obst- oder Gemüsesnack zwischendurch oder der Salat als Vorspeise bieten also gesunde und darüber hinaus auch ebenso geschmackvolle wie bekömmliche Bestandteile eines flexiblen und ausgewogenen Ernährungsstils. Kühl, lichtgeschützt und nur kurzzeitig gelagert bietet Rohkost somit eine ideale Ergänzung täglicher Energiezufuhr.