Gesunde Ernährung

Vollwerternährung

Die Vollwerternährung wird gern mit vollwertiger Ernährung verwechselt. So sieht die Vollwerternährung die Verwendung von möglichst unveränderten Lebensmitteln, wie Vollkornmehl oder Rohkost aus Obst und Gemüse vor und weitestgehenden Verzicht auf Fleisch, Fisch und Eier. Ein wichtiger Aspekt bei der Vollwerternährung ist auch die Umwelt- und Sozialverträglichkeit, die aus dem Kauf der Lebensmittel resultiert.

Die Vollwertkost im engeren Sinne hat ihren Ursprung bei Werner Kollath, der 1942 das Buch Die Ordnung unserer Nahrung veröffentlichte. Er setzte dabei die Theorie voraus, Lebensmittel seinen um so gesünder, je weniger sie behandelt oder bearbeitet werden. Daraus ergeben sich sechs Wertstufen:

• Wertstufe 1 bezieht sich auf frische unveränderte Lebensmittel, die nicht erhitzt wurden, wie frisches Obst, kaltgeschleuderter Honig oder Getreidekeimlinge.
• Wertstufe 2 sind mechanisch veränderte Lebensmittel, zu denen kaltgepresste Öle, Salate, Vollkornmehl oder auch Butter gehören.
• In Wertstufe 3 wurden die Lebensmittel enzymatisch verändert, wie beispielsweise in Käse, Joghurt, Quark oder Sauerkraut, aber auch Getränke wie Bier oder Wein gehören dazu.
• Lebensmittel der Wertstufe 4 wurden hitzebehandelt. So gehört nicht nur Brot und Gebratenes zu dieser Wertstufe, sonder auch Tees.
• In Wertstufe 5 sind die Nahrungsmittel konserviert oder anderweitig stark verarbeitet, wie in Gemüse- oder Fruchtkonserven, aber auch Marmeladen, H-Milch, Kaffee oder Knäckebrot.
• Wertstufe 6 beinhaltet isolierte oder präparierte Lebensmittel, wie Säuglingsmilch, Nudeln, Weißmehl, Aromastoffe oder Margarine.

Kollath legte mit seiner Theorie zwar den Grundstein für eine gesunde Ernährung, durch moderne Erkenntnisse in der Ernährungswissenschaft wurden aber viele Punkte verändert oder gestrichen. Heute gilt die Genießer-Formel, bei der für die Gesundheit wertvolle und möglichst frische Lebensmittel zu schmackhaften und gut verdaulichen Speisen zubereitet werden. Die Basis bilden dabei Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, daneben Milchprodukte, Hülsenfrüchte und Kartoffeln. Fisch, Fleisch und Eier können ebenfalls in kleinen Mengen enthalten sein. Außerdem sollte mindestens die Hälfte der zu sich genommenen Nahrungsmenge aus unbehandeltem Obst und Gemüse bestehen.

Vollwerternährung nimmt auch eine politische Position ein, denn sie baut auf ein umwelt- und sozialverträgliches Ernährungssystem auf. Es wird darauf geachtet, saisonale und regionale Produkte aus ökologischer Landwirtschaft zu verwenden, die umweltverträglich verpackt sind und Kaffee, Tee und Schokolade werden aus fairem Handel bezogen. Vollwerternährung ist also auch ein Stück weit Lebensphilosophie, die nicht nur die Lebensqualität erhöhen soll, sondern auch darauf achtet, die Umwelt zu schonen und soziale Gerechtigkeit weltweit zu fördern.

Vollwerternährung wird von allen Ernährungswissenschaftlern und -medizinern uneingeschränkt empfohlen.